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Ein echtes Original: J.G. Francis & Die Kunst der Erhaltung von Autos

17 Min. Lesezeit

Oliver Peoples macht eine Fahrt mit dem Gründer von Mercedes Motoring J.G. Francis in einem seiner Lieblingsautos, um seine Einstellung zu Handwerkskunst aus der Nähe zu erfahren.

Manchmal ist es das Licht, manchmal sind es die Straßen und meistens ist es eine Kombination daraus. Kurvige Straßen am Canyon früh am Morgen, wenn der Nebel zu verschwinden beginnt, und lange Strecken auf einer Autobahn durch die Wüste, wenn die Sonne gerade hinter den Bergen verschwindet, sind zwei Beispiele für grundlegende Elemente, die in Südkalifornien für grenzenlose Begeisterung für Autos sorgen. Durch die unterschiedlichen Landschaften in unmittelbarer Nähe zueinander und die günstigen Wetterbedingungen das ganze Jahr hindurch gibt es keinen besseren Ort für einen leidenschaftlichen Autofahrer. Maximiert wird diese Erfahrung am Steuer eines Oldtimers, und wenn man den Spezialisten für die Erhaltung von Autos und Gründer von Mercedes Motoring J.G. Francis fragt, dann eignet sich am allerbesten ein Mercedes-Benz.

Zwischen dem Stahl und dem Beton in Los Angeles behauptet sich ein Benz sehr gut und vermittelt ein Gefühl der Ruhe und des Wohlbefindens. Andere Fahrzeuge erscheinen in einem Stadtzentrum verloren, doch ein klassischer Mercedes nimmt in seiner Umgebung eine aktive Rolle ein. Dasselbe gilt, wenn Fahrzeuge beim Durchqueren eines Bereichs der Sonora-Wüste oder beim Befahren des California Highway 1 im Schatten der hoch aufragenden Berge San Jacinto stehen. Ein Mercedes-Benz-Oldtimer wird niemals von einer besonderen Umgebung dominiert. Diesem Auto gelingt eine Koexistenz; so entsteht seltene Flexibilität, die auf alle zwischen der Mitte der 1950er-Jahre bis in die späten 1980er-Jahre gefertigten Modelle zutrifft.
Mit der ausgesprochen hohen Qualität dieser Fahrzeuge ist es kein Wunder, dass sie in einer Zeit, in der physischer Haltbarkeit und zeitlosem Design wieder besonderer Wert beigemessen wird, wieder derart begehrt sind. Die Modelle, die allem Anschein nach über die höchste Flexibilität in verschiedenen Umgebungen verfügen, wurden zwischen dem Beginn und der Mitte der 1970er-Jahre hergestellt. Diesen Zeitraum sieht Francis als die Spitzenzeit der Fahrzeuge von Mercedes-Benz an.

Palm springs mountains view

Ein Sturm zieht über den Bergen auf und empfängt uns in Palm Springs mit kühlen Temperaturen.

Die Liebesbeziehung zwischen Los Angeles und diesem Auto reicht bis ins frühe 20. Jahrhundert zurück. Eine Zeit, in der eine gesunde öffentliche Abneigung gegen korrupte Regierungen, an Eisenbahngesellschaften wie Southern Pazifik gebunden, die Bewohner zum Besitz von Autos drängte. Was auch immer geschah, Autos profitierten von der öffentlichen Meinung und als sie immer leistbarer wurden, verschwanden die frühen öffentlichen Transportsysteme von den Straßen und die Anzahl an Fahrzeugen im Straßenverkehr stieg deutlich an. Während des frühen 20. Jahrhunderts wurde der Autobesitz in Los Angeles ausgebaut und der Kauf florierte dank des ständig schönen Wetters und der attraktiven Destinationen, die mit dem Auto zu erreichen waren. Mit den romantischen Highways und malerischen Nebenstraßen in Südkalifornien, aus denen später auf Massentransit ausgerichtete Autobahnen wurden, verwandelte sich die Gegend um Los Angeles zu einem wunderbaren Paradies für Ausfahrten. Zusätzlich zu dieser Kultur des „Fahrens zum Vergnügen“ bestand auch noch die große Motorsport-Szene, die gleich alt wie das Auto selbst war.
Spezialwerkstätten und Speed Shops, die Heißstangen, Dragster, Straßenrennfahrer und Desert Runners bedienten, befanden sich im ganzen Südwesten. Wenn irgendwo ein Rennen stattfand, dann in oder rund um Los Angeles. Trotz belebter Autobahnen und hoher Treibstoffpreise wurde die Stadt zum Zentrum der Autokultur in Amerika. Wären Sie damals der Autofan von heute gewesen, hätten Sie alle Wege nach Los Angeles geführt. Da in der Nachkriegszeit das Zeitalter der Jets begann, gelang vielen ausländischen Autoherstellern wieder der Aufstieg, denn die Nachfrage nach außergewöhnlichen Sportautos stieg insbesondere in Südkalifornien stark an. Mit der Errichtung eines neuen unterirdischen Autobahnnetzes in den frühen 1950er-Jahren änderten sich das Erscheinungsbild und die Art und

old Mercedes view

Mercedes Motoring, Glendale, CA.

Sunglasses over Mercedes

Keenan 362/Horn in einem 1972 250C.

Weise, auf die sich die Einwohner der Stadt fortbewegten, dauerhaft. Die verstopften Autobahnen in Kombination mit neu angebotenen Fahrzeugen, die zum Fahren mit ungebrochen hoher Geschwindigkeit gebaut wurden, ließ die Freude am Fahren noch größer werden und ermöglichte Ausfahrten an Orte wie etwa in das Coachella Valley. Die Ära des Jetsettens war in vollem Gange und als stattliche Reisende von einem TWA- oder Pan-Am-Flug kamen, stiegen sie häufig in etwas Schnelles aus Deutschland ein. Die Benz-Modelle, die als erste die Fantasie von Autofahrern aus Südkalifornien eroberten, wurden zu einer beliebten Fahrzeugklasse, die bis heute erhältlich ist und über einen deutlichen „kalifornischen“ Akzent verfügt. Der exklusive Supersportwagen 300 SL „Gull-wing“ und der etwas kleinere, jedoch leistbarere 190 SL Roadster wurden erstmalig auf der New York Auto Show im Jahr 1954 präsentiert und erfreuten sich großer Beliebtheit.
Von den 1.400 zwischen 1954 und 1957 gebauten 300 SL Coupes wurden über 80 Prozent nach Amerika verkauft. So wurde dieses Modell zum ersten Mercedes-Benz, der insbesondere außerhalb Deutschlands äußerst erfolgreich war. Dieses Wachstum wird durch das sich wandelnde Bild von Mercedes auf dem amerikanischen Markt von einem Hersteller ausschließlich luxuriöser Autos hin zu einer Marke, die begehrenswerte Hochleistungsfahrzeuge fertigen kann, unterstützt. Aufgrund von Umsatzeinbußen nach zwei Jahren auf dem Markt musste Mercedes-Benz jedoch eine Entscheidung treffen - das außergewöhnlich teure Modell einstellen oder ändern, sodass es mehr den Ansprüchen am kalifornischen Markt entspricht. Die Entscheidung, die ikonischen Flügeltüren zugunsten eines weichen, klappbaren Dachs aufzugeben, war der notwendige Beweis um aufzuzeigen, wie wichtig Kalifornien für Mercedes-Benz geworden war. Ausgerechnet der „Pagoda“ SL sorgte dafür, dass das traumhafte Postkartenbild des goldenen Westens eng mit Mercedes-Benz verknüpft wurde, und die Linie SL wurde zum definitiven Auto des südkalifornischen Lebensstils. Ein Auto war lange Zeit notwendig, um sich in Los Angeles fortzubewegen, und die intimste Art, um die nahegelegenen Regionen zu erkunden. Aber als der Pagoda eintraf, diente er auch als eine Erweiterung dessen, was eine Person war oder sein wollte. Auch all jene, die kein vertrautes Mitglied der Jetsetter-Elite waren, fühlten sich hinter dem Lenkrad eines Mercedes-Benz als solches.

Mercedes 250C on Mulholland Drive

Der 1972 250C von Francis saugt das Licht des späten Nachmittags auf dem Mulholland Drive ein.

Das Erste, was Sie über J.G. Francis wissen müssen ist, dass er sich selbst nicht als einen Meister der Handwerkskunst bezeichnet hat. Tatsächlich bewegte sich der sympathische Mann aus Las Vegas gerade auf der Karriereleiter nach oben, bevor er Mercedes Motoring im Jahr 2003 gründete. Was zu einem erfolgreichen und einflussreichen Geschäft wurde, begann mit dem, was Francis als „unromantische Zufallsbegegnung“ bezeichnet. Angetrieben von tollwütiger Neugierde und einer gesunden Faszination für dieselbetriebene Fahrzeuge von Mercedes-Benz aus den 70er- und 80er-Jahren, begann die Karriere von Francis in der Erhaltung von Autos. Während der letzten 16 Jahre hat Francis über 1.000 Benz-Oldtimer kommen und gehen gesehen; zuerst in Costa Mesa, Kalifornien, und später in Glendale, Kalifornien. Seinen eigenen Schätzungen zufolge ist er kein Guru in Sachen Benz und es gibt weitaus talentiertere Menschen als ihn, die sich mit der Erhaltung und Restaurierung von Oldtimern beschäftigen.
Er erklärt dies wie folgt: „Ich verstand erst als ich mich mit diesen Meisterhandwerkern getroffen habe, dass einige der intelligentesten Menschen auf der Welt Autobauer sind. Ich möchte mich selbst nicht dieser Kategorie zuordnen, aber einige meiner Bekannten gehören ihr mit Sicherheit an.“ Bescheiden, aber voller Vertrauen in seine Fähigkeiten, freut sich Francis seine Arbeit für sich selbst sprechen zu lassen, und während Autos, die bei Mercedes Motoring repariert werden, alles andere als laut sind, sorgen sie für Respekt und ziehen die Aufmerksamkeit aller Betrachter auf sich. Francis erklärt uns: „Ich beginne mit einer unglaublichen Leinwand, die ich noch ergänzen werde, aber ich wusste nicht, dass ich vom Automobilbau intellektuell so herausgefordert und angeregt werde, und es ist eigentlich eine Lebensleistung für mich." Außerdem war für Francis die Tatsache, dass er seinen Betrieb mit seinem Sandkastenfreund und Kumpel Sean Johnston teilt, unglaublich erfüllend. Sean kümmert sich neben dem Bau seiner eigenen, auf Kundenwünsche abgestimmten Autos um alle Arbeiten im Inneren der Benz-Modelle, die eine Nähmaschine erfordern. In Bezug auf Johnston und alle Autobauer, die auf dieselbe Weise arbeiten, sagt Francis „Die traditionellen Hotrod-Typen machen es genau gleich wie in den 1940er-, 50er- und 60er-Jahren. Sie stellen das Werkzeug, aus dem ein Teil entsteht, häufig selbst her. Und das war faszinierend zu sehen. Das ist eine ganz andere Ebene. Ich bin ein Purist, ich mache immer das Gleiche. Daher war es schön, dabei zu sein, und es spiegelt sich in meiner eigenen Arbeit wider. Meine Betrachtungsweise von Handwerkskunst hat sich mit meiner eigenen Geschäftstätigkeit auf jeden Fall weiterentwickelt. Es waren der ständige Veredelungsprozess, die konstante Verbesserung und das Streben, Dinge auf die nächste Stufe zu bringen.“

Seine Bescheidenheit lässt keine Zweifel übrig, dass Francis seiner Zeit voraus war und auch er selbst wird das zugeben, wenn es um jene Benz-Modelle geht, bei denen er auf etwas gestoßen ist, das niemand sonst entdeckt hat. „An jenem Tag beobachteten meine Freunde mich und fragten mich ‚Wirklich?‘ ‚Diese?‘ Niemand von ihnen hatte bislang einen davon.“ Es war nicht etwas derart Außergewöhnliches, dass man Francis als einen Pionier bezeichnen könnte, denn es gab bereits eine weltweit aktive Community, die sich viele Jahrzehnte lang für Fahrzeuge aus dieser Zeit interessierte, insbesondere in Europa.
Dennoch vergrößerte Francis die Bandbreite der Szene im Allgemeinen und verhalf ihr zu mehr Bekanntheit, insbesondere als er seinen Ruf bei großen Medienkanälen steigern konnte. Daher ist es überhaupt nicht überraschend, dass der Ansatz von Francis, der Erhaltung versus Restauration lautet, unter den Menschen Gefallen findet, da immer mehr nach dem Authentischen suchen und das Alltägliche hinter sich lassen. Ein restauriertes Auto sieht an der Oberfläche zwar besser aus, aber es enthält nicht mehr die kleinen Eigenarten, die ein erhaltenes Auto einzigartig machen. Auf einer Makroebene sorgen diese Oldtimer für eine Auszeit vom Lärm der modernen Welt und bieten die Möglichkeit, einen Schritt in die Vergangenheit zurückzugehen und das einfache Vergnügen des Fahrens ohne Ablenkung zu genießen. Auf einer intimeren Ebene ermöglichen sie den Menschen eine Verbindung zur Vergangenheit aufzubauen, eine eigene Erzählung zu erschaffen und der Geschichte des Fahrzeugs ein weiteres Kapitel hinzuzufügen. Hier findet Francis das wirklich Schöne in der Erhaltung eines Autos, was bedeutet, dass der Originalzustand so gut wie möglich aufrecht erhalten wird, im Gegensatz zur Restaurierung, durch die ein Auto über den Werkszustand hinaus gestaltet werden kann, jedoch häufig auf Kosten der Authentizität. „
Das restaurierte Auto erscheint fast immer als schöneres Fahrzeug, aber ein erhaltenes Auto ist genau so, wie es das Werk verlassen hat, und man fühlt diese besondere Präsenz“. Wenn man zwischen all den Fahrzeugen unter dem Dach von Mercedes Motoring steht, ist die Wucht an Geschichte im Raum wahrnehmbar. Francis erklärte uns: „Die werkseitige Montage und Bearbeitung kann nicht übertroffen werden. Wenn jemand zehn Jahre lang Türverkleidungen angebracht hat, sollte ich dann davon ausgehen, dass ich diese Arbeit besser machen kann? Nein, auf keinen Fall. Ich kann es nicht, und das gilt für das gesamte Auto.“
Derartige Wertschätzung für die ursprüngliche Handarbeit macht die Vorgehensweise von Francis noch schwieriger, kommt jedoch umgekehrt zur Begehrtheit aller Benz-Modelle, die Mercedes Motoring verlassen, noch hinzu.

Eyeglasses on Mercedes

Lachman in Cinder Cocobolo und Schwarz auf einem 1973 280.

Original Mercedes colors view

Bei Mercedes Motoring verfügen alle Autos noch über ihre ursprüngliche Farbe.

J.G. Francis

Letztlich sind Autos und Sonnenbrillen nur „Gegenstände“, bis eine Person sie zu einem Teil ihrer Geschichte macht.

Viele dieser klassischen Benz-Modelle erscheinen beim ersten Anblick nicht besonders, aber zahlreiche ihrer besonderen Eigenschaften stechen nicht direkt ins Auge. Und auch wenn viele meinen, dass diese Autos eher langweilig sind, verfügen sie doch über einen bestimmten Zauber. Das garantiert die Zufriedenheit eines Kunden, auch wenn er nicht genau weiß, welches Modell er will, denn durch das Interesse an diesen Autos hat er sich bereits einem der wichtigsten Aspekte angenommen, die jedem Auto zugrunde liegen. Was Francis versteht, ist, dass es sehr wertvoll ist zu wissen, was ein Kunde will, noch bevor der Kunde selbst dies tut. „Es funktioniert irgendwie auf zwei Arten. Eine Vorgangsweise von mir ist ein kleines Suchkonto anzulegen und mit den vom Kunden erhaltenen Suchparametern das richtige Auto zu suchen, das den Parametern entspricht. Seltener wendet sich jemand an mich, der keine konkrete Vorstellung davon hat, welches Auto er fahren möchte, sondern nur nach einem Mercedes-Oldtimer sucht, der zu seinem Lebensstil passt. Diese Kunden würden mir dann erklären wie sie fahren, wo sie leben und dass sie möglicherweise einen Turbo brauchen und mich fragen, welches Auto sie fahren könnten.“ Menschen betreffend den richtigen Benz-Oldtimer zu beraten ist ein Kennzeichen für einen Kauf bei Mercedes Motoring. Die Ära von Mercedes-Benz-Fahrzeugen, auf die sich Francis konzentriert, erfordert ein scharfes Auge, um das Ausmaß der Handwerkskunst ausreichend wertschätzen zu können sowie um die richtigen Exemplare dieser Autos auszuwählen. Francis bringt einen großen Wissensschatz an den Tisch - dieses Wissen teilt er gerne mit seinen Kunden, wodurch die Erfahrung des Besitzers zusätzlich bereichert wird. Egal ob ein Benz-Oldtimer oder eine Brille von Oliver Peoples, ist die Grundlage jedes Produkts die Qualität. Genau gleich wie Brillen so lange allgemein erscheinen, bis man ihren Herstellungsprozess betrachtet, werden diese Autos immer attraktiver, je mehr man über sie weiß. Mit einem tieferen Verständnis für die Herstellung und den Grund, warum bestimmte Details so aussehen, wie sie aussehen, wird das Produkt langsam lebendig. Dennoch ist die Herstellung das Einzige, warum die Produkte als materielle Güter interessant werden. „Letztlich sind Autos und Sonnenbrillen nur ‚Gegenstände‘, bis eine Person sie zu einem Teil ihrer Geschichte macht.“ Denn dann, und nur dann, werden sie selbst vollkommen lebendig und erhalten das Potential weit mehr als ein Lifestyle-Accessoire zu werden, eventuell werden sie sogar ikonisch. Weder Mercedes-Benz noch Oliver Peoples wurde mit der Absicht, ikonische Produkte anzufertigen, gegründet. Beide Marken implementierten einen hohen Qualitätsstandard und verbanden diesen mit einem funktionellen Design. Nur die Zeit hat gezeigt, dass diese Produkte wahre Ikonen sind - Autos wie ein Mercedes der Serie W123 und Brillen wie das Modell O‘malley von Oliver Peoples.

Doch die Arbeit von Francis geht weit über die Erhaltung von Oldtimern hinaus, viel mehr handelt es sich um die Erhaltung einer bestimmten Art, Dinge zu tun, eines bestimmten Glaubens und eines Lebensstils. Niemand baute Autos gleich wie Mercedes-Benz während der Ära der Modelle W123 und W124, dies gilt nicht einmal für Mercedes-Benz heute. Es war eine Zeit, in der ein Höchstmaß an Handwerkskunst das Einzige war, was man bieten konnte, vom Design eines Fahrzeugs über die verwendeten Materialien bis hin zum Prozess, mit dem es hergestellt wurde. Die Mentalität unterscheidet sich deutlich vom Ansatz der „geplanten Obsoleszenz“, die GM im weit zurückliegenden Jahr 1923 einführte. Der amerikanische Industriedesigner Brooks Stevens definierte Obsoleszenz im Jahr 1954 als das Verfahren „des Wachrufens des Wunsches nach dem Besitz von etwas Neuerem, etwas Besserem in noch kürzerer Zeit beim Käufer“. Wie Sie sich bestimmt vorstellen können, waren Mercedes-Benz und andere deutsche Autohersteller damals nicht besonders interessiert daran. Da sich schnell ändernde Technologie während der letzten 20 Jahre zu einem integralen Bestandteil von Autos wurde, können nun zahlreiche Formen der geplanten Obsoleszenz in einem Großteil moderner Fahrzeuge vorgefunden werden. Angefangen bei „künstlicher Haltbarkeit“, unter der die Strategie zur Verkürzung der Lebensdauer eines Produkts vor dessen Verkauf verstanden wird, indem es so entwickelt wird, dass es sich schnell abnutzt, bis hin zur „wahrgenommenen Obsoleszenz“, die vorkommt, wenn Designer den Stil eines Produkts verändern, um die Nachfrage nach einem Produkt zu senken und damit die Nachfrage nach einer neueren Version zu steigern. Diese Konzepte stehen im direkten Gegensatz zu jenen, auf die Mercedes-Benz während der Produktion der Fahrzeuge setzte, mit denen Francis arbeitet, und tatsächlich auch zur Sichtweise von Francis auf Konsumgüter. „Egal ob Fahrzeug, Schuhe oder Sonnenbrille. Doch bei allem, was ich kaufe, entscheide ich mich stets für die beste Version und verwende den gekauften Artikel dann so lange, wie er hält. Was mich am meisten zufriedenstellt ist das Bewusstsein, dass etwas gut gemacht ist.“ Durch das Interesse an dem, was in einer bestimmten Ära an Benz-Modellen für mechanische Festigkeit gesorgt hat, und durch das anschließende Setzen auf den Lifestyle, mit dem die Modelle in Verbindung gebracht werden, wurde Francis zu einem der wichtigsten Verwahrer einer gesamten Subkultur und der übergreifenden Werte, die mit ihr in Verbindung stehen. Er versichert, dass die Fahrzeuge in seinem Betrieb nicht nur dazu bereit sind, jemanden in seinem Alltag zu unterstützen, sondern auch ein integraler Bestandteil einer Lebensgeschichte werden und die Entstehung langanhaltender Erinnerungen erleichtern.

J.G. home in Los Angeles

J.G. vor seinem Haus in Los Angeles

Francis selbst blickt natürlich auf unzählige Erinnerungen mit diesen Autos zurück, dabei denkt er an Fahrzeuge aus weit entfernten Destinationen wie Alaska oder dem nordöstlichen Maine, mit denen er zurück nach Los Angeles gefahren ist. Aber es gibt Orte, an die er in seinen Gedanken oftmals reist. Dazu gehört der Pazifische Nordwesten und das Coachella Valley, die einen besonderen Platz in seinem Herzen eingenommen haben. Insbesondere im Coachella Valley verspürt er eine gewisse Vertrautheit mit der Umgebung und die Freiheit, die offenen Wüstenstraßen zu befahren, ließ eine tiefgründige persönliche Beziehung entstehen. Das und die besondere Leidenschaft von Francis für modernes Design aus der Jahrhundertmitte und für Architektur. Trotz der Lücke von gut 20 Jahren dient die moderne Architektur aus der Jahrhundertmitte, für die Palm Springs bekannt ist, als ein geeigneter Hintergrund für alle Benz-Modelle, auf die sich Francis konzentriert. Dann ist es umso überraschender festzustellen, dass die modernen Architekten aus der Jahrhundertmitte aufgrund der Freiheit zum Arbeiten dorthin kamen, während die Designer bei Mercedes-Benz Teil einer einfachen Unternehmenskultur waren, die auf Konformität gedieh. Und trotzdem sagte Francis im Gespräch „mein Haus stammt aus der Jahrhundertmitte und wenn meine Autos in der Einfahrt parken, dann erscheinen sie speziell für dieses Haus gefertigt worden zu sein“. Wie passen nun also amerikanisch inspirierte Brillen gut zu Autos, die in Deutschland entwickelt und gebaut wurden und zu Häusern kombiniert werden können, die im Kalifornien der Jahrhundertmitte entworfen und gebaut wurden? Der Schätzung von Francis nach ist das eine Frage des guten Designs, das keine Grenzen kennt und gemeinsamen Themen einen Wert beimisst.
Oliver Peoples ließ sich lange von der Welt der modernen Architektur aus der Jahrhundertmitte inspirieren, sogar bei der Erstellung personalisierter Filigranarbeiten, die wiederkehrende Formen nachahmen, die mit der Ära des modernen Designs aus der Jahrhundertmitte in Verbindung gebracht werden. Außerdem besteht auch eine unverkennbare Verbindung zwischen den Farbpaletten, die typischerweise in diesen Häusern vorgefunden werden, und jenen, mit denen Mercedes am Ende der 1960er-Jahre experimentierte. Für Francis sind es die verschiedenen Farbkombinationen, die dazu beigetragen haben, sein Interesse an der Arbeit an den Autos beizubehalten. „Ich möchte nicht den Anschein erwecken, dass ich von meiner Arbeit gelangweilt bin oder dass sich mein Job dauernd wiederholt, aber zu einem gewissen Teil ist das so. Ich kann einen W123 im Schlaf auseinander- und genau so, wie er aus der Fabrik gegangen ist, wieder zusammenbauen, sodass sich ein Teil meiner Arbeit immer wiederholt und ich mich daher besonders für Konfigurationen und Farben interessiere“. Wie Sie sich sicher vorstellen können, spielt auch die Freude an der Jagd insbesondere nach einzigartigen Exemplaren eine große Rolle. „Farbe interessiert mich, denn sie war wirklich die einzige Möglichkeit, um mich selbst beim wiederholten Ausführen derselben Tätigkeit auszudrücken. Ich möchte diejenigen Farben finden, die es ursprünglich nicht gab und die daher ein Sonderauftrag waren.“ Diese Liebe zum Detail spricht Bände darüber, wer Francis ist und wofür er steht. Es dauert nicht länger als ein paar Minuten mit ihm, um die tiefe Ehrfurcht zu erkennen, die er für die Mühe, die in diese Fahrzeuge gesteckt wurde, hat, und den Stolz, den er empfindet, diese Handwerkskunst zur Schau stellen zu können, natürlich mit einem angemessenen Hauch seines Stils darin.

eyeglasses on 1983 240D Mercedes

Jacno auf einem 1983 240D

Mount San Jacinto view

Eine Fahrt mit Ausblick auf den Mount San Jacinto.

Was das entscheidende Element der Handwerkskunst betrifft, das alles zusammenbringt, kann Francis, wie jeder Handwerker, nur sein Bestes geben, um es zu erraten. „Wenn ich einen Teil des wichtigsten Prozesses herausfiltern müsste, dann würde sich mein Bauchgefühl für die Zeit entscheiden. Es gibt viele Menschen, die zahlreiche Dinge gut können, aber die Zeit, die für jede Konstruktion und jeden Aspekt aufgewendet wird, ist das, was mich von anderen Konstrukteuren unterscheidet. Manchmal erhalten wir ein Auto, mit dem bereits 4.000 Meilen zurückgelegt wurden, und wir müssen es vollständig auseinander bauen, um sicherzustellen, dass es sorgfältig gereinigt wird. Ich kenne nicht wirklich viele Betriebe, in denen dies gemacht wird.
Handwerkskunst beginnt mit Zeit und mit Einsatz und erst dann folgen die Materialien, in diesem Fall Ersatzteile vom Erstausrüster Mercedes-Benz. Der Prozess ist je nach Konstrukteur ganz individuell und daher sehr persönlich. Man kann eine Kartentasche in nur fünf Minuten fertigstellen und sie wird mit Sicherheit eine Zeit lang halten, oder man wendet eine Stunde dafür auf und stellt sie so her, dass sie langfristig hält. Was auch immer ich in meinem Leben mache, ich mache es mit Stolz. Daher braucht alles Zeit, was zwar langwierig sein kann, aber auch unglaublich lohnend.“

Mit diesem Wissen im Hinterkopf erhält die Betrachtung eines Mercedes-Benz aus dieser Zeit eine ganz neue Bedeutung. Nicht nur aufgrund der Geschichte aller Menschen, die die Autos gefahren und gewartet haben, sondern weil die Fahrzeuge die Geschichte aller Menschen erzählen, die sie entwickelt und gefertigt haben. Wenn Sie das nächste Mal eine Brille von Oliver Peoples aufsetzen, sollten sie an die Mühe denken, die für die Herstellung erforderlich war, und an den Prozess, während dem die Brille zur richtigen Wahl für Sie wurde. Sogar eine brandneue Brille hat eine Geschichte, bevor sie überhaupt vom Regal genommen wird. Und sie entstand durch den Glauben, Dinge auf eine bestimmte Weise zu tun. Wenn sich ein Mensch für Oliver Peoples entscheidet, dann drückt er damit aus, dass er an Handwerkskunst und Authentizität glaubt, dass er ein Teil der Geschichte der Marke sein möchte, und dass er ein eigenes Kapitel der Geschichte schreiben möchte. Ein Auto zu restaurieren bedeutet nicht nur die Plombe, mit der Fabriksqualität garantiert wird, aufzubrechen, sondern auch die bisherige Geschichte des Autos dauerhaft zu löschen. Die Absicht hinter dem Restaurieren ist ein Auto „besser“ zu machen als es an dem Tag war, an dem es die Fabrik verließ. Und dadurch wird es zu etwas vollkommen Anderem. Für alle, die nach Authentizität suchen und Geschichte über Perfektion stellen, ist ein Fahrzeug von Mercedes Motoring perfekt.

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Text: Andrew Maness

Photos: Rich Stapleton

Video: Yong Kim

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