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Handwerkskunst | Kultur | Zusammenarbeiten

13 Min. Lesezeit

Courtesy © Gio Ponti Archives - Photo Paolo Gasparini

Mit freundlicher Genehmigung von © Gio Ponti Archives - Foto Paolo Gasparini

Gio Ponti war einer der originellsten und erfindungsreichsten Köpfe im Italien des zwanzigsten Jahrhunderts. Sein Einfluss wird in einer exklusiven Kollaboration zu neuem Leben erweckt.

Gio Ponti (1891-1979) war einer der originellsten und erfindungsreichsten Köpfe im Italien des zwanzigsten Jahrhunderts. In seiner mehr als fünf Jahrzehnte andauernden Karriere, die in den 1920er Jahren begann und bis Ende der 1970er Jahre andauerte, leistete Ponti einflussreiche Beiträge zu den sich überschneidenden Bereichen moderne Architektur, Möbeldesign und dekorative Künste sowie zu den bildenden Künsten und dem Verlagswesen. Er orientierte sich zwar an klassischen Formen, war sich jedoch der technologischen, wirtschaftlichen und ästhetischen Herausforderungen der Moderne bewusst, sodass sich seine vielseitige Sensibilität nicht so einfach kategorisieren lässt. In komplexen Projekten wie der Villa Planchart in Caracas, Venezuela, und dem berühmtesten Wolkenkratzer Italiens, dem Pirelli-Turm in Mailand, sowie in Metallskulpturen, Fresken, Werken aus Keramik, Glas und Textilien stellte er seine Beherrschung einer breiten Palette von Produktionsmethoden und Materialien unter Beweis. Ponti revolutionierte das italienische Design leise, aber konsequent - er verlieh Gebäuden, Stühlen, Gemälden, Skulpturen und Gebrauchsgegenständen eine geheimnisvolle Finesse.

Einzeln oder zusammen getragen sticht das einzigartige Gestelldetail und das Clip-Accessoire der G.Ponti-1 auf dem von Gio Ponti für das Hotel Parco Dei Principi in Sorrento, Italien, entworfenen Schreibtisch hervor.

Angesichts seines umfangreichen Werks ist es spannend zu sehen, wie Oliver Peoples in Zusammenarbeit mit dem Gio Ponti-Archiv seine Designs interpretierte und in die Oliver Peoples Takumi Series II Kollektion übertrug. Die Kapselkollektion vereint all das, was die Werke von Gio Ponti ikonisch macht : gleichmäßige Linien, scharfe Kanten, dreidimensionale Punkte. Und das auf eine neue, frische Art und Weise, bei der Brillen als Leinwand dienen. Ähnlich wie Pontis Design-Hintergrund erweitert die Kollektion die Beschränkungen eines Alltagsgegenstands und macht ihn zu einem unerwarteten Kunstwerk. Die Brillenmodelle sind unglaublich tragbar und modern, repräsentieren aber doch das berühmte Werk von Ponti; ob in den kantigen Formen, architektonischen Elementen, dem Blau als Schlüsselfarbe oder der Fokussierung auf Linien als zentrales Element. Um wirklich jedes Designdetail in der Kollektion zu verstehen und mit der Inspiration hinter jedem einzelnen Element in Verbindung zu treten, ist es wichtig, jede einzelne Facette zu betrachten, die seine Arbeit beeinflusste, meist eine Verschmelzung von Architektur und Design.

Der Austausch zwischen Architektur und Design, der Pontis berühmteste und sogar weniger bekannte Werke prägt, verleiht seinem Werk eine interessante Frische und Aktualität in einer Zeit, in der konventionelle stilistische Kategorien wie Postmoderne und Moderne in Frage gestellt werden. Seine kreativen Methoden der transhistorischen Inspiration erlangen in unserem 21. Jahrhundert, das sich von Etiketten oder Kategorien immer mehr entfernt, eine zunehmende Bedeutung.

Das kühne, kantige Design ist einer der markantesten Ponti-Einflüsse, die in der Zusammenarbeit zum Ausdruck kommen, wie oben bei der G.Ponti-3 zu sehen.

Gio Ponti vase for Richard Ginori, 1928 © Gio Ponti’s Heirs archive / Gio Ponti Archives / Photo: Rago Auction House from the collection of Seymour Stein.

Vase von Gio Ponti für Richard Ginori, 1928 © Gio Ponti's Heirs archive / Gio Ponti Archives / Foto: Rago-Auktionshaus aus der Sammlung von Seymour Stein.

Um die Einzigartigkeit von Pontis Ästhetik zu verstehen, die auf die ursprüngliche Affinität zwischen Architektur und Design zurückgeht, muss man sein Werk in seinen ursprünglichen kulturellen Kontext, das Mailand der 1920er Jahre, stellen. Pontis Ästhetik wurde stark von den metaphysischen Gemälden Giorgio De Chiricos und von den seines Bruders Alberto Savinio beeinflusst, deren surreale, aber kontemplative Kunst im Einklang mit den neuen Trends der modernen Architektur aus Wien, Paris und Berlin stand. Generell zeichnete sich diese Zeit durch intensive Kontakte zwischen Malern, Designern und Architekten aus. Obwohl er stets seinen eigenen Weg ging, scheute Ponti nicht den Versuch, das Ideal der forma finita (fertige Form) zu verwirklichen. Ein Beispiel dafür ist seine fortlaufende Entwurfreihe für die Porzellanwerke von Richard Ginori aus den Jahren 1923 bis 1933. Besonders erwähnenswert ist die Vase „Schlüssel, Pfeife und Brille“ aus dem Jahr 1928 (Abbildung oben rechts). Sie bewegt sich anmutig zwischen einer beunruhigenden metaphysischen Ikonographie und einem Sinn für kindlichen Erfindungsreichtum, die Markenzeichen von Pontis Produktion zu dieser Zeit. Die hier abgebildete Keramikvase zeigt, wie wirkungsvoll Ponti Ideen aus metaphysischen Gemälden in eine räumliche, in sich geschlossene, dreidimensionale Form umsetzen konnte.

Die essentielle, in sich ruhende Beschaffenheit des Objekts bildete die Grundlage für Pontis vielseitige Verfahren, was in der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts (1950er bis 70er Jahre) immer deutlicher wurde. In dieser entscheidenden Phase seiner Karriere erhielt er zahlreiche Aufträge für groß angelegte Architekturprojekte, die er mit zahlreichen exquisiten Industriedesign-Details bereicherte. Seine Fähigkeit, zwischen verschiedenen Maßstäben, Ebenen und Elementen zu navigieren, bildet den roten Faden, der die vielfältigen Aspekte seines Objektdesigns und seiner Architektur miteinander verbindet. Dies war die Zeit, in der sein internationaler Ruhm in die Höhe schnellte und er seine berühmtesten architektonischen Werke schuf, nämlich die Villa Planchart in Caracas, 1955 und den Pirelli-Turm in Mailand, 1955-58. Die Betrachtung dieser Werke kann uns helfen, den architektonischen Charakter seiner Designlösungen (insbesondere seiner Möbel) sowie die objektartige Beschaffenheit seiner Gebäude zu erklären.

One of Ponti’s most iconic buildings and an influence to the collaboration: Villa Planchart (1953-1957), Caracas, Venezuela. © Gio Ponti’s Heirs archive / Gio Ponti Archives / Photo: Paolo Gasparini

Eines der ikonischsten Gebäude von Ponti und ein beeinflussender Faktor der Zusammenarbeit: Villa Planchart (1953-1957), Caracas, Venezuela. © Gio Ponti's Heirs Archiv / Gio Ponti Archive / Foto: Paolo Gasparini

Der wohl spektakulärste Erfolg Pontis auf dem Gebiet des Möbeldesigns, der Superleggera-Stuhl von 1957, ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür (oberes und unteres Bild). Seine Konstruktion ist dank der Verwendung von dreieckig profilierten vertikalen Streben in Kombination mit der subtilen Biegung der Rückenlehne so erfolgreich. Diese Eigenschaften verleihen ihm eine federnde Beschaffenheit und den Schwung, den man mit Eschenholz erzielen kann. Dieses Material wurde wegen seiner Festigkeit und Flexibilität lange für die Ski-Herstellung verwendet.

A Ponti masterpiece, Superleggera 699, helped inspire the lightweight, sharp details of the collaboration © Gio Ponti’s Heirs archive / Gio Ponti Archives / Photo: Giorgio Casali

Ein Ponti-Meisterwerk, die Superleggera 699, diente als Inspiration für die leichten, scharfkantigen Details der Zusammenarbeit © Gio Ponti's Heirs archive / Gio Ponti Archives / Foto: Giorgio Casali

Shown above, one of the many letters Gio Ponti used to write in the form of drawings. This one is addressed to Umberto Cassina and features the iconic Superleggra chair. Courtesy © Gio Ponti’s Heirs archive / Gio Ponti Archives

Oben ist einer der vielen Briefe zu sehen, die Gio Ponti in Form von Zeichnungen schrieb. Dieser ist an Umberto Cassina gerichtet und zeigt den ikonischen Superleggra-Stuhl. Mit freundlicher Genehmigung von © Gio Ponti's Heirs archive / Gio Ponti Archives

Wie die Architektur, die diese produktiven, charakteristischen Details durch die Fusion aus Funktionalität und Leichtigkeit erlangte, basieren die Brillenmodelle der neuen Ponti-Produktlinie von Oliver Peoples auf einem anspruchsvollen und zuverlässigen Herstellungsprozess. Diese drei unverwechselbaren Modelle sind von einem frischen, ironischen Charme und einem Sinn für Überraschungen geprägt, der den Geist Pontis eindeutig widerspiegelt. Mit ihrem kühn profilierten Außenrand und den gestalterischen Akzenten erinnern die Gläser an die Saliente-Formen von Pontis geschätztem Schreibtisch „Altamira“ von 1953 (untere Reihe, 4. von links). Mit seinen eigenen Worten: „Das ist mein Meisterwerk: Ich nenne es mein Steckenpferd: Ich meine, es handelt sich um ein Möbelstück, das sehr einfach, aber nicht formlos ist.“ 1. Die schwerelose Beweglichkeit der Oliver Peoples Ponti-Kollektion spiegelt genau diesen Charakterzug wider.

1* L.L. Ponti, „Gio Ponti; the Complete Work 1923-1978“ Thames and Hudson, London 1990, S.8

Another inspiration for the collaboration, the ”Altamira” desk, 1953. In Ponti’s own words: ”This is my masterpiece: I call it my hobby horse: I mean, it is a piece of furniture that is very simple but not formally inert” © Gio Ponti’s Heirs archive / Gio Ponti Archives / Photo: Modernity Stockholm

Eine weitere Inspiration für die Zusammenarbeit ist der Schreibtisch „Altamira“ von 1953. Mit Pontis eigenen Worten: „Das ist mein Meisterwerk: Ich nenne es mein Steckenpferd: Ich meine, es handelt sich um ein Möbelstück, das sehr einfach, aber nicht formlos ist.“ © Gio Ponti's Heirs archive / Gio Ponti Archives / Foto: Modernity Stockholm

Mit dem Pirelli-Turm leitete Ponti durch seine formale Ökonomie und strukturelle Dynamik eine wichtige Neubewertung des Wolkenkratzer-Idioms ein. Seine Untersuchungen zur Struktur und seine enge Zusammenarbeit mit dem fortschrittlichsten Vertreter des italienischen Ingenieurwesens jener Zeit, Pier Luigi Nervi, gaben den Anstoß zu neuen Ansätzen für die Stadtentwicklung Mailands. Gemeinsam formulierten sie auch neue Formen des Industriedesigns. Diese beiden Ziel sollten nach Pontis Ansicht immer gemeinsam verfolgt werden. Das Zusammenspiel offener und geschlossener Formen, die nach einem unkonventionellen Winkelprofil angeordnet sind, wird immer deutlicher, je weiter der Blick die geneigte Achse entlang schweift.

„Das widerstandsfähigste Element ist nicht Stein, nicht Stahl und nicht Glas. Das widerstandsfähigste Element im Bauwesen ist die Kunst.“ -Gio Ponti

The variety of Ponti’s work is exceptional from furniture to ceramics, lighting and skyscrapers like the Pirelli Tower in Milan completed in 1958. Photo: Slim Aarons/ Getty Images.

Pontis Werk ist außergewöhnlich vielfältig und reicht von Möbeln über Keramik und Leuchten bis hin zu Wolkenkratzern wie dem 1958 fertiggestellten Pirelli-Turm in Mailand. Foto: Slim Aarons/ Getty Images.

Die einzigartigen, metallischen Aspekte der G.Ponti-2 sind an einem von Gio Ponti für das Hotel Parco dei Principi entworfenen Pool zu sehen.

Das kühne Aussehen der G.Ponti-2 wird durch die leichte Titanstruktur ausgeglichen.

 

 

Ein wesentlicher Faktor in dieser Hinsicht ist Pontis Beharren auf einem Dialog zwischen unterschiedlichen Aspekten desselben Objekts, der uns zusammen mit seiner Vorliebe für gebogene, multilineare Formen (eine reiche Inspirationsquelle für die Designer von Oliver Peoples) den unaufhörlichen Austausch zwischen den Maßstabsebenen in Design und Architektur bewusst machen kann, etwas, das in Pontis besten Werken deutlich wird.

Ohne den speziellen Sonnenbrillen-Clip wirkt die G.Ponti-1 als Brille mit Sehstärke sehr kantig. Abgebildet mit einer Hand aus Keramik von Gio Ponti für Richard Ginori.

Die geradlinigen Titanbügel des Modells bilden einen schönen Kontrast zur Form der Acetatfront.

Die G.Ponti-1 ist daneben in Tortoise Polished Brass mit G-15 Clip zu sehen.

Am erstaunlichsten ist vielleicht, wie es Ponti gelungen ist, seine Ziele zu erreichen, ohne in den sterilen Eklektizismus zu verfallen, in den ihn die Vielzahl seiner Forschungsgebiete hätte führen können. Ponti vermied ihn, indem er sich eng an sein einziges unbestrittenes Ziel hielt: das Ideal, sowohl ein versierter Architekt als auch Designer zu sein. Indem er Vielseitigkeit einem unausgewogenen Eklektizismus vorzug, vermied Ponti die Entscheidung zwischen Design und Architektur. Für Ponti war es immer ein „Design mit Architektur“, das er als untrennbares Unterfangen betrachtete.

Das kühne Design der G.Ponti-3 ist sowohl mit Gläsern in dunklen Farben als auch in einer hellen verwaschenen Farbgebung erhältlich.

Die neuen Oliver Peoples-Modelle passen sehr gut zu dieser Einstellung. Wie die Fähigkeit, zwei Elemente nebeneinander bestehen zu lassen, schaffen es die Modelle der Kollektion, Tragekomfort nahtlos in ein klares Design zu integrieren. Die Modelle weisen die kantigsten Details auf, die Oliver Peoples je gezeigt hat. So ragt beispielsweise der obere Steg des Clip-Angebots über das Gestell hinaus und wirkt so kühn und kantig wie ein von Ponti selbst entworfenes Gebäude oder Möbelstück. Ähnlich wie bei den ikonischen Werken von Ponti besteht jedes Modell aus separaten Elementen, und doch fließt alles irgendwie zusammen. Die Linienführung fühlt sich wie eine Fortsetzung des gesamten Gestelldesigns an und schafft es, eine leichte Präsenz zu zeigen. Ein wahrhaftiges Trompe-l'œil und tragbare Kunst in ihrer schönsten Form.

Worte von Brian Kish

FOTOS von Rich Stapleton(sofern nicht anders gekennzeichnet)

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